Das Purgatorium zu Lübeck

Es folgt: der Eintrag zu dem Bild und Thema, mit dem alles begann. In Lübeck gibt es nämlich eine Straße mit dem wunderbaren Namen „Fegefeuer“, um die herum man noch dazu einige schöne Beobachtungen machen kann. Aber zuerst das Straßenschild:

Das Fegefeuer hat zudem eine eigene Bushaltestelle (und dies ist nun auch gewissermaßen das „Opus 1“ des Kuriosologen), mutmaßlich handelt es sich dabei um eine Endhaltestelle – oder gar die Endhaltestelle aller Endhaltestellen? Wer hier aussteigt, mag’s sicher heiß, so er denn weiß, worauf er sich einläßt:

Hat man sich nun schon soweit vorgewagt, bekommt man noch ein letztes Mal die Gelegenheit, sich zu entscheiden: Fegefeuer? Oder doch lieber die einzig wahre Kirche?

Man entscheidet sich für’s Fegefeuer – und bei allen eine zu läuternde Seele erwartenden Qualen gibt es doch ein Fünkchen (!) Hoffnung: ein Ärztehaus gibt es auch! Aber wer weiß, vielleicht gibt es hier auch nur Wartezimmer, und nie wird einer aufgerufen?

Interessant ist allerdings, daß neben dem Ärztehaus auch die Caritas schon da ist! Welche versteckte Botschaft vermittelt das nun über die Hintermänner dieser Wohlfahrtsorganisation? Wird durch diese in Lübeck versteckte Botschaft Luthers flammende (!) Geißelung des Papsttums als Antichrist bestätigt? Und sind die Flammen, die vom Kreuz auf dem Logo ausgehen, ebenso ein Hinweis, wie die abgebildete Kirche ein cleverer diabolischer Schachzug und zugleich eine weitere Untermauerung Luthers ist?

Fragen über Fragen. Antworten darauf findet man aber ganz sicher nicht im zugehörigen Café mit dem aussagekräftigen Namen:

So mag man an das Fegefeuer glauben oder nicht, in Lübeck jedenfalls kann man sich ein eigenes Bild machen – und in dem zuletzt abgebildeten Café bei einer Feuerzangenbowle und einer Crème Brûlée über Sinn und Unsinn dieser Lehre meditieren.